Homosexuals Anonymous

Offering Guidance, Fellowship, Care and Freedom

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Wenn der Bock zum Gaertner wird

Posted on June 3, 2016 at 12:15 AM

Mit Pfarrer Albert Bauernfeind hat das Erzbistum München und Freising nun einen Seelsorger für Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben (https://www.erzbistum-muenchen.de/PV-Fuerstenfeld/Page055883.aspx). Der Titel allleine klingt schon merkwürdig - wieso nicht für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen? Wer weiter liest, bekommt eine Ahnung, warum:

 

" Auch die Kirche tut sich bis heute schwer damit, Homosexuelle ganz zu akzeptieren. Die sexuelle Handlung definiert die Kirche immer noch als Sünde. Es ist an der Zeit, hier einen Blickwechsel zu vollziehen. Homosexuell lebende Menschen müssen in der Kirche willkommen sein – so wie sie sind! Die Liebe und die Verantwortung füreinander sind die Kriterien für ein gelingendes Leben aus der Perspektive des Evangeliums."

 

Bei allem Respekt, Herr Pfarrer, aber es gibt einen Grund, warum homosexuelle Handlungen von der Kirche, der Sie als Priester Gehorsam gelobt haben, als Sünde gesehen werden - und das sollten Sie eigentlich wissen. Sie haben als Priester Verantwortung für diese Menschen und sind verpflichtet, ihnen in Glaubensdingen das zu vermitteln, was Lehrmeinung der Kirche ist.

 

Liebe und Verantwortung füreinander allein sind eben nicht Kriterien für ein gelingendens Leben aus der Perspektive des Evangeliums. Wenn allein ein undifferenziertes Gefühl (das wie alle Gefühle früher oder später verschwindet) Grundlage für die Moralität einer Verbindung ist, würde das - konsequent weiter gedacht - zu absurden Ergebnissen führen.

 

Liebe im christlichen Sinn ist mehr als ein Vertrag, bei dem nur Eigentumsrechte ausgetauscht werden. Sie ist mehr als nur ein flüchtiges Gefühl. Sie ist ein Bund, der den lebensspendenden Bund widerspiegelt, den Jesus mit Seiner Braut der Kirche eingegangen ist. Zwei Menschen, die ein Fleisch werden – so sehr eins, dass man dem Einen neun Monate später einen Namen geben muss! Drei, die eins sind – ein Hinweis auf die Dreifaltigkeit selbst! Die Ehe ist zur Fortpflanzung und zum Wohle der Ehepartner gedacht. Eines von beiden bewusst auszuschließen heißt den Bund nicht als solchen zu begreifen. Dies mit gleichgeschlechtlichen Verbindungen gleichsetzen zu wollen, bedarf schon ein enormes Maß an spiritueller Verwirrung.

 

 

Sucht man diesen Pfarrer auf Google, findet man Erstaunliches: Er wurde 1995 von Friedrich Kardinal Wetter entlassen – er hatte in einem Interview mit dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung die offizielle katholische Lehrmeinung zur Sexualität als „unbrauchbar“ bezeichnet (http://www.zeit.de/1996/12/Unbequemer_Pastor).

 

Weiterhin gehört er zum Münchner Kreis (http://initiative-muenchner-kreis.de/unterstutzer/), der offensichtlich mit der Pfarrer-Initiative Deutschland zusammenhängt (http://www.pfarrer-initiative.org/pfarrerinitiative/). Dort heißt es etwa: „Wir stehen ein für ein ehrliches Wahrnehmen der Lebenssituationen der Menschen und für Glaubwürdigkeit kirchlicher Praxis. Deshalb benennen wir, was wir tun, auch wenn es im Widerspruch zu derzeitigen kirchenamtlichen Weisungen steht.“ (http://www.pfarrer-initiative.org/pfarrerinitiative/werwirsind.aspx).

 

Weiterhin heißt es in einem Papier:

 

„In entscheidenden Punkten (Voreheliches Zusammenleben, Empfängnisverhütung, Wiederverheiratete Geschiedene, Homosexualität) ist die derzeitige Lehre auf den Prüfstand zu stellen und weiter zu entwickeln. Es gilt, wie es im Bericht der Bischofskonferenz heißt, „einen Duktus zu finden, der sich vom

Vorurteil der Leibfeindlichkeit und einer lebensfeindlichen Gesetzesethik zu befreien vermag“. Dazu können die Bischöfe auf die jahrzehntelange theologische Arbeit zahlreichen Moraltheologen zurückgreifen. Ebenso sollten die heutigen human-wissenschaftlichen Erkenntnisse vorurteilsfrei zur Kenntnis genommen werden. Der Weg zu einer lebensdienlichen Beziehungsethik wird nur zu gehen sein, wenn von

einer problematischen Berufung auf das Naturrecht Abschied genommen wird.“ (http://www.pfarrer-initiative.de/pfarrerinitiative/2014EheFamilie.pdf). Unterzeichner u.a.: „Pfarrer Albert Bauernfeind, Diözese München“

 

Wer die katholische Sexuallehre als leib- und lebensfeindlich bezeichnet, hat seine Berufung als Priester verfehlt. Mit dem Zeitgeist oder mit schnell veränderlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gehen, kann und darf nicht Ziel der Kirche sein. Bestimmte Werte – wie etwa die monogame Ehe zwischen Mann und Frau ziehen sich durch alle biblischen Bücher, durch viele Kulturen und über tausende von Jahren – und wurden letztlich von Jesus, dem Sohn Gottes, selbst bekräftigt. Auf die Frage, ob eine Scheidung unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sei, antwortete Er nicht einfach mit ja oder nein – Er wiederholte den Standard aus Genesis: Den Bund eines Mannes mit einer Frau.

 

Wenn Er uns nun verkündet, was richtig ist, muss Er wohl kaum eine lange Liste von Dingen beifügen, was falsch ist.

 

Wenn aber der Sohn Gottes selbst die Norm bekräftigt, wer sind wir, dass wir uns erlauben, daran zu rütteln?

 

Die christliche Ehe ist das Beste für alle Beteiligten. Nichts kommt dem gleich. Wir sollten darauf vertrauen, dass unser Schöpfer am besten wusste, was gut für uns ist – und was nicht. Herr Pfarrer Bauernfeind scheint damit aber seine Probleme zu haben.

 

Kein Wunder, dass er auch von der unsäglichen Vereinigung „Wir sind Kirche“ zitiert wird: http://www.wir-sind-kirche.de/?id=129&id_entry=5970

 

Mit „Theologie und Homosexualität“ hat er nun auch ein Buch herausgegeben. Kommentar der lesbischen und schwulen Basiskirche Basel hierzu:

 

„An den Aussagen der offiziellen katholischen Morallehre zur Sexualität scheiden sich die Geister. Albert Bauernfeind will die Verantwortlichen in Kirche und Jugendarbeit und die Jugendlichen selbst anregen, erneut über das Thema nachzudenken und Sexualität als das verstehen zu lernen, was sie ist: Geschenk Gottes und Möglichkeit zur menschlichen Kreativität.“ (http://www.lsbk.ch/2016/01/page/27/)

 

 

Diese Aufzählungen lassen sich wohl noch lange fortführen. Zusammenfassend darf wohl daran gezweifelt werden, dass Herr Pfarrer Bauernfeind der geeignete katholische Seelsorger für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen ist – zumindest nicht aus der Perspektive dessen, was die Katholische Kirche zu diesem Thema lehrt.

 

Jason International (http://jason-online.webs.com), Partnerorganisation von Homosexuals Anonymous (www.homosexuals-anonymous.com) existiert seit 2005 – mit einer Ortsgruppe in München. Bisher wurden wir von den großen Kirchen ignoriert. Auch Herr Bauernfeind hat sich noch nicht bei uns gemeldet. Interessant, denn Homosexuals Anonymous ist die weltweit älteste Organisation ihrer Art (seit 1976).

 

Mit großer Besorgung und nicht zuletzt aufgrund einiger an uns herangetragener Berichte Betroffener (Priester, Ordensangehörige, gläubige und ratsuchende Katholiken) beobachten wir seit langem, wie es den Seelsorgern vor Ort offenbar egal ist, was die Kirche und die Bibel zum Thema gleichgeschlechtlichen Neigungen lehrt. Ganz im Gegenteil – sie werden nun sogar von den Kirchenoberen in verantwortungsvolle Positionen berufen, wo man wohl den Bock zum Gärtner macht.

 

Ich habe selbst viele Jahre in der schwulen Szene verbracht und weiß, wovon ich rede. Angesichts der vielen Faktoren, die zur Entwicklung dieser Neigungen beigetragen habe (etwa ein problematisches Verhältnis zum gleichgeschlechtlichen Elternteil) und angesichts dessen, was sich in der schwulen Szene abspielt, ist es unverantwortlich, Menschen dabei zu unterstützen, ein solches Leben führen zu wollen. Die jährlichen Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen den enormen Anteil von Männern, die Sex mit Männern haben, an der Gesamtzahl von Menschen mit ansteckenden Geschlechtskrankheiten wie etwa HIV. Ganz so „normal“ und „natürlich“ ist diese Lebensweise wohl doch nicht.

 

Wir bieten Gemeinden, Privatmenschen, Geistlichen, Schulen, Familienangehörigen, Freunden, Behörden und wem auch immer unsere Hilfe und Unterstützung an – kostenlos und auf Basis der Bibel.

 

Gleichzeitig rufen wir die Verantwortlichen in den Kirchen auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen und nicht vor dem Zeitgeist niederzuknien. Dass das nicht funktioniert, zeigt die enorme Zahl der jährlichen Kirchenaustritte.

 

Gottes Segen

 

Robert Gollwitzer

Direktor von Homosexuals Anonymous

www.homosexuals-anonymous.com

Queer-Gottesdienste

Posted on June 12, 2015 at 12:40 AM

Seit geraumer Zeit gibt es in München – und in ähnlicher Form wohl auch anderswo - katholische „Queer-Gottesdienste“, also Gottesdienste für „Homosexuelle“. Kirchenrechtliche Anzeigen hierzu verlaufen im Sand.

Mal ganz abgesehen davon, dass es absurd ist, Messen für Menschen einer besonderen sexuellen Orientierung zu feiern (gibt es auch „Hetero-Gottesdienste“ oder „Bi-Gottesdienste“?), ist das ein klarer Bruch des Kirchenrechts – egal, wie sehr man das hinter verschlossener Tür bestreitet und schön redet.

Da wird etwa davon gesprochen, dass niemand von der Seelsorge ausgeschlossen darf – wohl wissend, dass Seelsorge und die Feier der Heiligen Messe inklusiv des Empfangs der Heiligen Kommunion – etwas völlig anderes sind. Seelsorge kann ich jedem anbieten; die Heilige Kommunion darf nur unter bestimmten Bedingungen empfangen werden.

 

Man dürfe getaufte Christen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung vom Heilsdienst der Kirche ausschließen, heißt es weiter. Hierzu gilt dasselbe wie oben. Der Heilsdienst der Kirche beinhaltet im übrigen auch, die „Schafsherde“ der Gläubigen auf dem richtigen Weg zu führen und bei Bedarf korrigierend, unterstützend, aber auch ermahnend einzugreifen. Ein Heilsdienst, der kritiklos jeden tun und lassen lässt, wonach ihm/ihr ist, ist kein Heilsdienst, sondern ein Unheilsdienst.

 

Weiterhin führt man kirchlicherseits an, bei diesen „Queer-Gottesdiensten“ würde niemand ausgeschlossen, der daran teilnehmen möchte. Das mag für die Feier des Wortgottesdienstes gelten, niemals aber für die Feier der Eucharistie. Hier ist es sogar die Pflicht des Priesters, unter bestimmten Umständen Menschen den Empfang der Heiligen Kommunion zu verweigern.

 

Hiervon versucht man sich herauszuwinden, indem man behauptet, man hätte ja gar nicht wissen können, wer zur Zielgruppe gehört und wer nicht. Dies ist bestenfalls naiv, schlimmstenfalls vorsätzlich und verantwortungslos.

 

Wer für seinen Gottesdienst eine Wort aus der schwulen Szene verwendet („Queer“), nimmt auf jeden Fall billigend in Kauf, das Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen daran teilnehmen, die diese auch ausleben. Umso mehr, als es immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung hierzu gab. In einem solchen Fall ist es die Pflicht des Priesters – letztlich auch des Ordinariats und des Bischofs, genauer hinzusehen und auf jeden Fall einen falschen Eindruck (Gutheißen eines schwulen Lebens-Stils oder gelebter „Homosexualität“ an sich) oder missbräuchliche Kommunion-Empfänge zu vermeiden. Von Seiten der christlichen Ex-Gay Einrichtung Jason (http://jason-online.webs.com) wurde immer wieder das Angebot gemacht, hier unterstützend und beratend tätig zu werden. Bis zum heutigen Tag wurde dies ignoriert.

 

Es sollte auch genau darauf geachtet werden, wer denn solche Gottesdienste vorbereitet. Nochmals: Gruppen wie Jason wurden nie dazu eingeladen.

 

Alles in allem kann nur festgestellt werden, dass hier wirkliche Seelsorge sträflich vernachlässigt und die Missachtung der Heiligen Eucharistie zumindest billigend in Kauf genommen wird.

 

Ein Trauerspiel, dass im übrigen den Zustand der Katholischen Kirche in Deutschland – besonders zu diesem Thema – widerspiegelt.

 

München, 11.06.2015

 

Robert Gollwitzer

Bischofskonferenz und ZdK auf Abwegen?

Posted on May 11, 2015 at 2:50 PM

Die Katholische Kirche in Deutschland ist wieder einmal in den Schlagzeilen.

 

Die Bischöfe beschlossen gerade eine Neuordnung des kirchlichen Arbeitsrechtes.

 

Dort heisst es:

 

„Die erneute standesamtliche Heirat nach einer zivilen Scheidung ist zukünftig grundsätzlich dann als schwerwiegender Loyalitätsverstoß zu werten, wenn dieses Verhalten nach den konkreten Umständen objektiv geeignet ist, ein erhebliches Ärgernis in der Dienstgemeinschaft oder im beruflichen Wirkungskreis zu erregen und die Glaubwürdigkeit der Kirche zu beeinträchtigen. Dasselbe gilt für das Eingehen einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

 

Diese Handlungen besitzen damit bei Vorliegen besonderer Umstände und damit nur in Ausnahmefällen Kündigungsrelevanz. Das ist z. B. der Fall, wenn objektive Gründe befürchten lassen, dass eine erneute standesamtliche Ehe oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft sich störend auf die Zusammenarbeit in der Dienstgemeinschaft auswirkt. Bei einer Wiederverheiratung können sich solche Umstände zum Beispiel ergeben aus der beruflichen Stellung des Mitarbeiters, aus der Art und Weise, wie der geschieden wiederverheiratete Partner mit dem Scheitern der Ehe bzw. Wiederheirat in der Öffentlichkeit umgeht oder wie er seine gesetzlichen Verpflichtungen aus seiner ersten Ehe erfüllt. Notwendig ist eine Gesamtbeurteilung.“

 

Eine erneute Heirat nach zivilrechtlicher Scheidung oder eine „homosexuelle Lebenspartnerschaft“ ist also nur dann schlimm, wenn sie Ärger verursacht oder die Glaubwürdigkeit der Kirche beeinträchtigt.

 

Wer um Himmels willen hat denn dieses Papier entworfen? Das ist sowohl theologisch als auch rational betrachtet blanker – und höchst gefährlicher! - Unsinn!

 

Es grenzt an Scheinheiligkeit, wenn ein Verhalten, das dem katholischen Glauben widerspricht, nur dann sanktioniert werden soll, wenn es Ärger verursacht. Die Glaubwürdigkeit im Übrigen wird nicht nur durch eben dieses Verhalten beeinträchtigt, sondern in viel größerem Maße durch eine Anordnung, die Abfall von der kirchlichen Lehre nur unter bestimmten Voraussetzungen als Loyalitätsverstoß ansieht und nicht durch die Handlungen an sich.

 

Eine Kirche, deren Mitarbeiter und Mitglieder durch ihr eigenes Lebenszeugnis nicht mehr das widerspiegeln, wofür diese Kirche eigentlich steht, verdient ihren Namen nicht und wird bald in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Wenn die Kirche wie die Welt wird, gibt es keinen Grund mehr für ihre Existenz.

 

Vorrangige Aufgabe der Bischöfe ist es, Hirten zu sein und ihre Schafe auf dem rechten Weg zu führen. Eine Theologie, die besagt, man könne durchaus von diesem Weg abweichen, solange es nicht an der „Glaubwürdigkeit“ (welche Glaubwürdigkeit ist denn da noch übrig?) rüttelt oder Ärger verursacht, ist hierfür nicht geeignet – noch verdienen die Bischöfe, die dies zu verantworten haben, den Namen „Hirten“.

 

Nur zur Information: Ich schreibe dies als jemand, der viele Jahre lang ein schwules Leben geführt hat und vor elf Jahren Freiheit durch die internationale christliche Organisation „Homosexuals Anonymous“ (www.homosexuals-anonymous.com) erfahren durfte. So etwas hilft den Menschen, die vom Weg abgekommen sind, wirklich – und wird bis heute von der offiziellen Kirche ignoriert. Im Gegensatz dazu werden immer wieder Meldungen an uns herangetragen, die auf eine große Anzahl gleichgeschlechtlich empfindender – und teils auch handelnder – Priester und Ordensangehöriger schließen lassen. Jedes Hilfsangebot unsererseits an die Kirche wurde jedoch

bisher ignoriert.

 

Was mir hier sehr sauer aufstößt, ist der Wink mit dem Zaunpfahl, der hier durch den Hinweis auf die Art und Weise gegeben wird, mit dem mit der Wiederverheiratung (oder der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“) in der Öffentlichkeit umgegangen wird. Dies bestätigt eine unselige und lang bekannte Praxis der Katholischen Kirche: Solange es niemand „da draußen“ erfährt, wird es toleriert.

 

Ich schreibe diese Zeilen aus Liebe zur Katholischen Kirche, denn auch ich bin Katholik (www.katholisch-leben.org). Es macht mich sehr traurig und gleichzeitig auch wütend, zu sehen, wie hier der Kirche Schaden zugeführt und den Gläubigen vorhandene Hilfe verweigert wird.

 

Nun zum „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“, das eine Erklärung mit dem Titel „Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen – Familie und Kirche in der Welt von heute“ veröffentlicht hat.

 

Zunächst einmal möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass das ZdK keineswegs alle deutschen Katholiken vertritt, wie es der Name vermuten lässt. Hierfür fehlt die demokratische Legitimation.

 

Sehen wir uns aber diese Erklärung einmal näher an.

 

Zunächst einmal ist hier von der Stärkung der Familie die Rede – was im Kontext des nun Folgenden wie blanker Hohn erscheint.

 

Mit Hinsicht auf die Art des Zusammenlebens, die es neben der traditionellen christlichen Ehe gibt, heißt es dort:

 

„Zugleich achten wir die Lebensgemeinschaften, in denen für uns wichtige Werte verwirklicht werden: verlässliche Verantwortung füreinander, Treue in der Beziehung, Weggemeinschaft in Verbindlichkeit.“

 

Eine Lebensgemeinschaft ist also demnach zu achten, wenn abstrakte Werte wie „Treue“ oder „Verantwortung“ verwirklicht werden. Wenn diese Werte jedoch abstrakt, also getrennt von einem zugrunde liegenden Glaubensverständnis, gesehen werden, stellt sich die Frage, auf Basis von was genau denn diese Werte anerkannt und für gut geheißen werden. „Treue“ als respektablen Wert – auch außerhalb der christlichen Ehe – zu sehen, würde zu absurden Ergebnissen führen. Man stelle sich nur einmal vor, wer oder was alles „treu“ - und damit „respektabel“ - zusammenleben könnten nach dieser Logik!

 

Weiter im Text:

 

„Unter Familie verstehen wir auch nichteheliche Formen von verbindlich gelebter Partnerschaft und von Generationenverantwortung, die einen großen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten und gerecht zu behandeln sind.“

 

„Nichteheliche Formen verbindlich gelebter Partnerschaft“ - würde das auch Polygamie, Pädophilie oder was weiß ich sonst noch einschließen? Wenn nicht, auf Basis welcher Argumentation?

 

Wer so etwas veröffentlicht, hat in meinen Augen nicht die leiseste Ahnung davon, was Ehe und Familie aus christlicher Sicht bedeuten und warum derartige Statements alleine deshalb nicht nur unsinnig, sondern höchst gefährlich sind. In anderen Worten: Sie widersprechen der katholischen Lehre und sind deshalb als häretisch einzustufen.

 

Es wird noch besser:

 

„Die kirchliche Lehre muss im Dialog mit den Gläubigen unter Einbeziehung ihrer jeweiligen Lebenswelt weiterentwickelt werden. Als den Menschen, ihren Sorgen und Hoffnungen zugewandte Kirche sind wir beauftragt, uns mit Zuversicht auf die Gegenwartsgesellschaft mit vielfältigen sozial anerkannten Lebensformen einzulassen und selbst zu Brückenbauerinnen und Brückenbauern zwischen Praxis und Lehre zu werden.“

 

Die kirchliche Lehre muss nur insofern weiterentwickelt werden, als sie den Menschen in ihrem jeweiligen kulturellen, persönlichen und historischen Kontext verständlich vermittelt werden muss. Sie darf jedoch keineswegs von Grundwerten abweichen, die in verschiedensten biblischen Büchern und damit unterschiedlichsten Kulturen im Laufe von tausenden von Jahren – und letztendlich von Jesus selbst bekräftigt wurden – wie etwa die lebenslange monogame Ehe zwischen Mann und Frau, bei der der Mann sich in lebensspendender Weise der Frau hingibt wie Jesus sich Seiner Braut der Kirche hingegeben hat. Mann und Frau werden ein Fleisch – so sehr eins, dass man diesem Einem neun Monate später einen Namen geben muss – ein Spiegelbild der Dreifaltigkeit selbst.

Nichts anderes als die christliche Ehe entspricht diesem Grundsatz. Sie ist die beste Form des Zusammenlebens für alle Beteiligten.

 

Wir dürfen uns keineswegs auf „sozial anerkannte Lebensweisen“ (ein fast peinlicher Ausdruck!) einlassen, wenn diese im Widerspruch zur Lehre der Kirche stehen. Dies zu fordern zeugt von Verantwortungslosigkeit den Gläubigen gegenüber.

 

Schließlich heißt es noch:

 

„In unserer Kirche unterstützen wir eine hohe pastorale Aufmerksamkeit für Ehe und Familie, die auch in veränderten Seelsorgestrukturen ein überzeugendes personales Angebot vor Ort erfordert.“

 

Wenn mit diesen „veränderten Seelsorgestrukturen“ gemeint ist, eine Seelsorge zu betreiben, die mehr eine Art „Wellness-Programm mit christlichem Touch“ ist und Menschen, die vom rechten Weg abgekommen sind, dazu verhelfen soll, sich wenigstens gut dabei zu fühlen, lehne ich dies aus tiefsten Herzen ab. Wahre Liebe muss stark genug sein, dem vom Weg Abgekommenen die Wahrheit zu sagen – aber auch eine helfende Hand hin zur Freiheit zu bieten. Wir würden gerne mit dazu beitragen, eine helfende Hand zu sein!

 

Unter anderem wird dann auch noch eine „Neubewertung der Methoden der künstlichen Empfängnisregelung“ gefordert. Dies ist umso interessanter, als konservative Katholiken immer wieder auf den Zusammenhang etwa von gleichgeschlechtlichem Verhalten und künstlicher Empfängnisregelung hingewiesen haben. Beides scheint einem verdrehten – oder gar nicht vorhandenen -Verständnis kirchlicher Lehre zum Thema Ehe, Familie und Sexualität zu entspringen.

 

Ebenso wird immer wieder darauf verwiesen, in der Seelsorge weg vom „defizitorientierten“ hin zum „ressourcenorientierten“ Handeln zu kommen. Hört sich gut an – ist aber insofern Unsinn, als beides nicht zu trennen ist. Genau hier setzen Organisationen wie die Ex-Gay Einrichtung Jason (http://jason-online.webs.com) an.

 

Nun aber kommt der Gipfel.

Folgendes wird gefordert:

 

„eine Weiterentwicklung von liturgischen Formen, insbesondere Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, neuer Partnerschaften Geschiedener und für wichtige Weichenstellungen im Familienleben“

 

Dies zeugt in meinen Augen bestenfalls von kompletter Unkenntnis des katholischen Glaubens. Im schlimmsten Fall wird dies bewusst, also in Kenntnis der kirchlichen Lehre, gefordert und ist damit verantwortungslos, da es Menschen verwirren und vom rechten – kirchlichen – Weg abbringen kann.

 

Liebes ZdK, ihr helft Sündern nicht, indem ihr es ihnen leichter macht zu sündigen. Das ist billige Theologie und billige Seelsorge und entspricht nicht dem kirchlichen Auftrag.

 

Wenn ihr dann noch fordert, alle Gläubigen sollen in der Kirche eine Heimat finden, so frage ich mich, was denn dann noch von „Gläubigen“ übrig bleibt, wenn sie nicht mehr an das glauben, was die Kirche lehrt – oder was von der Kirche übrig bleibt, wenn sie zulässt und möglicherweise gar fördert, dass sich Sünde in ihren Reihen wie Krebs verbreitet.

 

Wenn es dann noch im Gutmenschen-Stil heißt „Es geht darum, Menschen mit Wertschätzung zu begegnen, sie in ihrer Beziehungskompetenz zu stärken und ihnen gezielt Unterstützung anbieten zu können.“, kommen mir fast Tränen der Wut und Trauer. „Wertschätzung“, bedeutet, Menschen so zu sehen, wie Gott sie sieht – nicht, wie sie selbst gerne sein möchten. Eine „Beziehungskompetenz“ jenseits der christlichen Ehe gibt es schlichtweg nicht.

 

Manch einer mag sich durch meine Worte angegriffen fühlen. Das müsst ihr euch aber schon gefallen lassen. Auch ich habe eine Meinung zum Thema Ehe, Familie und Sexualität aus katholischer Sicht.

 

Andere mögen mich in eine radikale, fundamentalistische Ecke drängen wollen. Diese Art von Propaganda war ja schon immer dann angezeigt, wenn man sich selbst nicht mit rationalen Argumenten auseinandersetzen wollte.

 

Ich bleibe bei dem, was ich glaube: Dem katholischen Glauben, wie er seit 2.000 Jahren gelehrt und im Katechismus der Katholischen Kirche sowie in der Bibel niedergeschrieben ist und wie er Gott sei Dank noch von vielen Katholikinnen und Katholiken gelebt wird.

 

München, 11.05.2015

 

Robert Gollwitzer

www.the-jason-foundation.org

Hausgemeinde für Ex-Gays

Posted on December 30, 2014 at 1:15 PM

Hausgemeinde für Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen in München

Anfang 2015 startet hier in München eine überkonfessionelle christliche Hausgemeinde für Ex-Gays (Juden und Moslems sind ebenfalls willkommen).

Die Termine (jeweils Sonntag um 14 Uhr):

04. Januar, 18. Januar, 01. Februar, 08. Februar, 15. Februar, 22. Februar, 01. März, 08. März, 15. März, 22. März, 29. März, 12. April, 19. April, 26. April, 03. Mai, 17. Mai, 31. Mai, 07. Juni, 14. Juni, 21. Juni, 28. Juni, 05. Juli, 12. Juli, 19. Juli, 26. Juli, 02. August, 09. August, 16. August, 23. August, 30. August, 06. September, 13. September, 20. September, 27. September, 04. Oktober, 11. Oktober, 18. Oktober, 25. Oktober, 08. November, 15. November, 22. November, 29. November, 06. Dezember, 13. Dezember, 20. Dezember, 27. Dezember

Nach dem Wortgottesdienst gibt es jeweils noch etwas zu Essen und Trinken (wer mag, kann gerne etwas mitbringen).

Anmeldung und nähere Infos bei Robert (089-78018960 oder 0170-1293016).

 

Beginning 2015 we start a non-denominational Christian home church in Munich (Muslims and Jews are also welcome). Dates see above. After the service we will share food and drink (if you want, you can bring something as well). If you want to come, please call Robert (089-78018960 oder 0170-1293016).

Open Letter to Cardinal Reinhard Marx in Munich, Germany

Posted on August 5, 2014 at 2:50 PM

 

Offener Brief an Kardinal Reinhard Marx

Sehr geehrte Eminenz,

wir wenden uns heute in brüderlicher Verbundenheit an Sie mit der Bitte um Unterstützung.

 

Unsere Einrichtung Jason (http://jason-online.webs.com) ist eine internationale christliche Ex-Gay Einrichtung die an Homosexuals Anonymous (www.homosexuals-anonymous.com) angeschlossen ist und Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen Hilfe auf Basis eines 14-Schritte Programms im Rahmen von Seelsorge, Selbsthilfegruppen und individueller Beratung bietet. Durch unsere Partnerorganisation Homosexuals Anonymous dürften wir wohl die älteste Einrichtung dieser Art weltweit sein (Gründung: 1976).

Betroffene, die sich an uns wenden, müssen keinerlei Voraussetzungen erfüllen – außer dem Wunsch nach Freiheit. Sie sollten sich aber der Tatsache bewusst sein, dass wir eine christliche Organisation sind und zumindest offen für ein derartiges Programm sein. So finden sich bei uns etwa auch Moslems. Auch mit der jüdischen Organisation JONAH pflegen wir enge freundschaftliche Kontakte.

Wir unterstützen und beraten weiterhin Gemeinden, Behörden, Organisationen jeder Art und Privatpersonen, die Fragen zum Thema gleichgeschlechtliche Neigungen haben. Für all dies verlangen wir nichts.

Gehen wir nun etwas ins Detail:

 

Seit längerem gibt es offenbar in St. Paul sogenannte „Queer-Gottesdienste“. Diese Entwicklung betrachten wir mit großer Besorgnis. Selbstverständlich sollte die Kirche (welcher Denomination auch immer sie angehört) ein sicherer Hafen für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen sein. Wo sonst sollten sie hingehen, wenn nicht dorthin? Es macht aber einen großen Unterschied aus, ob sie hier im christlichen Sinne aufgenommen werden – ohne dadurch ihr Tun gutzuheißen – oder ob ihnen die Botschaft vermittelt wird, es wäre absolut in Ordnung, ein schwules Leben zu führen und gleichzeitig Christ zu sein – etwa indem der Altar möglicherweise mit Regenbogenflaggen „geschmückt“ ist, einem eindeutigen Zeichen der Schwulenbewegung, deren Ziele nun wirklich gar nichts mit der christlichen Lehre zu tun haben. Sollte hier gar die Eucharistie gefeiert werden, weisen wir auf das für alle Christinnen und Christen gültige Wort der Bibel hin:

 

„Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.“

(1. Korinther 11,27 Einheitsübersetzung siehe auch KKK 1415/16; CIC 916)

 

Wir selbst sind überkonfessionell, die Eucharistiefeier bzw. das Herrenmahl hat aber eine zentrale Bedeutung für alle Christinnen und Christen und so verweisen wir hier auch auf die katholischen Vorschriften:

 

• Der Kommunionempfang hat im Stand der Gnade stattzufinden, also nicht etwa im Bewusstsein einer schweren Sünde (CIC 916, siehe auch KKK 1415).

• Wer jedoch hartnäckig in einer schweren Sünde bleibt, darf die Kommunion nicht empfangen (Vgl. CIC 915).

 

Priester sind Hirten, die eine besondere Verantwortung haben. Wenn ein Priester, der offensichtlich diese Gottesdienste leitet, aber auf einer „privaten“ Homepage (als ob ein Priester sich als solcher öffentlich äußern kann und dabei „privat“ ist!) Meinungen kundtut, die aus säkularer Sicht strittig und aus christlicher Sicht in Teilen abzulehnen sind, ist das Grund genug, die Kirche als Ganze anzusprechen.

Wir sind selbst Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen – oder Menschen, die solche hatten. Als solche dürfen wir Ihnen versichern, dass Sie uns mit gutgemeinten, aber fehlgeleiteten Botschaften nicht weiter helfen. Ein Christ muss einen anderen genug lieben, um ihm oder ihr auch das zu sagen, was sie oder er hören muss – nicht das, was er oder sie hören will.

 

Das biblische Modell der lebenslangen und monogamen Ehe zwischen Mann und Frau, die so sehr ein Fleisch werden, dass man diesem Eins-Werden neun Monate später einen Namen geben muss, reflektiert die Dreifaltigkeit und den Bund, den Jesus mit seiner Braut, der Kirche eingegangen ist. Dieser biblische Standard wurde durch alle Bücher der Heiligen Schrift im Laufe von Jahrtausenden und in unterschiedlichsten Kulturen aufrechterhalten – und von Jesus, dem Sohn Gottes, selbst bekräftigt (man kann also kaum behaupten, Er hätte nichts von gleichgeschlechtlichen Neigungen gewusst, so wie wir sie heute kennen). Manchmal wird versucht, diesen Standard aufzuweichen, indem man sagt, wenn zwei Menschen sich lieben, ist das doch auch vor Gott in Ordnung. Er hätte schließlich nur gleichgeschlechtliche Akte verboten. Hierzu ist folgendes zu sagen:

 

1) „Liebe“ ist nicht ein diffuses Gefühl. Gefühle kommen und gehen. Liebe ist die Willenserklärung, einen Bund mit jemand einzugehen, der oben genanntem theologischem Modell entspricht. Ein Bund, bei dem der Eine sich ganz dem Anderen in lebensspendender Art und Weise und zum Wohle der Beteiligten hingibt (im Gegensatz zum Vertrag, bei dem Eigentumsrechte ausgetauscht werden). Ein Beispiel: Ein verheirateter Familienvater kann Frau und Kinder verlassen und für immer mit seiner neuen Geliebten zusammenleben und sie zutiefst „lieben“ – es bleibt trotzdem Ehebruch.

2) Wer diese Tür öffnet, wird sie nicht mehr schließen können. Wenn ein Gefühl der „Liebe“ genug ist, warum es dann auf zwei Menschen beschränken? Warum die Tür etwa nicht auch für zwei sich „liebende“ Geschwister öffnen?

3) „Liebe“ hat der Vorstellung zu entsprechen, die Gott selbst davon hatte – nicht unserer eigenen. Dies nicht, weil Er der „Boss“ ist und uns gerne herum kommandiert, sondern weil Er uns liebt und am besten weiß, was gut für uns ist. So sind wir der tiefen Überzeugung, dass die traditionell christliche Vorstellung von Liebe, Ehe und Sexualität für alle (!) Beteiligten das Beste ist.

4) Wenn „Liebe“ unter gleichgeschlechtlichen Paaren genügt, warum sind dann so viele von diesen Beziehungen nicht monogam (sie beschränken sich also nicht zwangsweise auf einen Geschlechtspartner) und warum sind sie im Schnitt weitaus kurzlebiger als heterosexuellen Ehen? Aus einem einfachen Grund: Weil dort etwas gesucht wird, was man hier nicht finden kann – wahre Liebe. Und weil weiterhin – legitime! – Bedürfnisse auf eine Art und Weise befriedigt werden sollen, die sich so nicht befriedigen lassen und möglicherweise auch vergangene Verletzungen betäubt werden, anstatt sie auszugragen und anzugehen.

5) Es wird ja so gerne zwischen gleichgeschlechtlichen Akten und Neigungen unterschieden. Erstere werde von der Bibel abgelehnt, letzte nicht. Nun, ganz so einfach ist es nicht. Abgesehen davon, dass es wohl kaum eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft ohne Sex geben dürfte, spricht die Bibel sehr wohl auch das an, was im inneren eines Menschen vor sich geht. So werden wir davor gewarnt, andere Menschen mit unangemessener Lust zu betrachten bzw. vor Begierde zu Menschen des eigenen Geschlechts zu entbrennen (was wohl auf mehr als nur sexuelle Handlungen hinweist!). Auch ist der Hinweis, derartige Bibelstellen seien nur im kulturellen, heidnischen Kontext zu sehen, theologisch nicht haltbar. Schließlich verkennt eine derartige Haltung den Sinn und Zweck menschlichen sexuellen Empfindens an sich.

Sehr geehrte Eminenz, vielleicht helfen einige grundsätzliche Informationen zum Thema gleichgeschlechtliche Neigungen weiter:

 

Wir verwenden bewusst nicht den Begriff „Homosexualität“. Dieser Begriff ist jüngeren Datums und unserer Meinung nach unzulässig. Ja, es gibt Menschen, die gleichgeschlechtliche Neigungen haben (aus welchen Gründen auch immer!), das gibt ihnen dadurch noch keine eigene Identität. Wir wurden im Ebenbild Gottes erschaffen. Im Blich auf Ihn erhalten und erkennen wir unsere Identität, die Vorstellung von dem, was und wer wir sind. Und hier gibt es nur eine einzige Identität: die heterosexuelle (auch dieser Begriff ist jüngeren Datums, sodass es wohl zulässiger wäre, einfach von unserer Identität als Mann und Frau zu sprechen). Wir sehen uns also als (heterosexuelle) Männer und Frauen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen. Diese Sichtweise macht für uns einen großen Unterschied aus.

Ja, „Homosexualität“ wurde in den 70ern von der Liste der psychischen Störungen genommen. Dies jedoch nicht aufgrund neuer wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern allein (!) wegen des seinerzeit herrschenden politischen Drucks.

 

Heute weiß man, dass sehr viele Faktoren zur Entwicklung menschlicher Sexualität beitragen. Spätestens seit den Erkenntnissen der Epigenetik ist auch klar, dass nicht ein Gen (oder Hormone, Botenstoffe etc.) alleine uns zu irgendwelchen Handlungen oder Empfindungen zwingen, sondern dass die Umwelt sowie eigenes Denken und Tun – und ein Zusammenspiel verschiedenster Gene - darüber entscheiden, welche Gene überhaupt und in welcher Form (ein und das selbe Gen kann unterschiedliche Ausprägungen haben!) ein Gen zum tragen kommt oder „stillgelegt“ wird. Ebenso verändert unser Denken und Tun laufend unsere Hirnstruktur sowie unseren genetischen Code, sodass selbst diese Theorien mittlerweile sehr differenziert betrachtet werden. Bis zum heutigen Tage wurde jedoch kein wissenschaftlicher Beweis für die Existenz eines „schwulen Gens“ erbracht. Selbst wenn so etwas je gefunden würde, müsste es im Licht oben genannter Erkenntnisse gesehen werden. Weiterhin würde damit nicht die moralische Richtigkeit des eigenen Handelns gerechtfertigt und schon gar nicht ein Zwang zum Handeln begründet werden. Was für ein Menschenbild wäre das?

Aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung können wir Ihnen jedoch sagen, dass sich die Lebensläufe und die Persönlichkeiten von Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen in vielen Punkten gleichen. So gab es oft Probleme mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil, sodass eine emotionale Bindung und damit die Annahme der eigenen Geschlechts-Identität oft nicht zustande kam. In der Pubertät werden wir dann von dem angezogen, was wir als „anders“ empfinden als wir – in dem Fall also das eigene Geschlecht. Nun einfach zu sagen, der Betroffene sollte doch einfach seine Neigung ausleben, ist eine armselige Psychologie und Theologie.

 

Uns wird oft vorgeworfen, wir würden versuchen, Menschen „umzupolen“, oder unser Tun würde von Ärztevereinigungen abgelehnt oder als schädlich bewertet. Abgesehen davon, dass es hierfür keine wissenschaftlichen Belege gibt (im Gegensatz zu den häufigen Auswirkungen eines gleichgeschlechtlichen Lebens. Der hohe Anteil von Männern, die Sex mit Männern haben, an der Gesamtzahl ansteckender Geschlechtskrankheiten, wie sie vom Robert-Koch Institut erfasst werden, spricht für sich), ist es schlichtweg nicht richtig. Wie bereits erwähnt bieten wir Selbsthilfegruppen und Seelsorge an – wir betreiben keine Therapie. Jedoch befürworten wir durchaus das Recht eines jeden Menschen nach einer Therapie seiner Wahl.

Womit wir beim nächsten Thema wären: Ein weiterer, oft angebrachter, Kritikpunkt ist ja, dass es keiner „Heilung“ bedarf, wo nichts Krankes vorhanden ist und dass alle Ansätze zur Veränderung schädlich sind. Hierzu ist folgendes zu sagen:

 

• Wir sehen gleichgeschlechtliche Neigungen nicht als eine „Krankheit“ wie etwa der Erkältung oder einer psychischen Störung wie einer Psychose. Dies wäre angesichts der vielen Faktoren, die zur Entwicklung der menschlichen Sexualität beitragen, eine unzulässige Vereinfachung. Jedoch wäre es angesichts der Hintergründe und Auswirkungen (siehe oben) genauso unzulässig, sie einfach als „schön und gut“ abzutun. Viele von uns waren selbst jahrelang in der „Schwulen-Szene“. Diese entspricht in keiner Weise dem bewusst schöngefärbten Bild, das in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Wüsste die Öffentlichkeit nämlich über so Einiges Bescheid, was dort als normal gilt und akzeptiert wird, würde die öffentliche Meinung hierzu wohl schnell kippen.

• Die einzelnen Faktoren, die hinter den Neigungen stehen sowie die Bedürfnisse nach Beziehungen, spirituelle und emotionale Bedürfnisse sowie mögliche Verletzungen jeglicher Art aus der Vergangenheit lassen sich jedoch sehr wohl angehen – sei es nun im Rahmen einer Seelsorge, von Selbsthilfegruppen oder einer Therapie.

• Insofern kann „Heilung“ auch Heilung von Wunden körperlicher, sexueller, emotionaler, verbaler oder spiritueller Art (Erfahrungen in der Kirche, Beziehung zu Gott) sowie einer verzerrten Identität bedeuten.

• „Veränderung“ kann dementsprechend viele Aspekte oder Bereiche betreffen und es sollte schon dem oder der Einzelnen freigestellt sein, wo er/sie Veränderung möchte.

• Es gibt mittlerweile Hinweise auf die „Fluidität“ menschlicher Sexualität. Es scheint also keinesfalls immer und zwangsweise so zu sein, dass die sexuellen Neigungen bei der Geburt mitgegeben werden und für alle Zeiten so bleiben. Unsere eigenen Erfahrungen jedenfalls bestätigen dies. Viele von uns sind mittlerweile verheiratet und haben Kinder. Ja, manche haben immer noch gleichgeschlechtliche Neigungen – wenn auch weitaus weniger häufig und intensiv. Wenn diese Menschen jedoch ihre Ehepartner, Kinder und Enkelkinder betrachten, wissen sie, dass es all der Mühen wert war. Und das ist Jesu Botschaft: Er hat uns nie gesagt, dass es leicht sein wird. Er hat uns vielmehr versprochen, dass es sich lohnen wird!

Grundsätzlich möchten wir auch darauf hinweisen, dass Toleranz, Respekt und Meinungsfreiheit für alle gelten muss – nicht nur für Menschen einer bestimmten sexuellen Orientierung oder mit einer bestimmten Meinung.

Abschließend noch einige Worte zur Kirche: Es kommen immer wieder Katholiken jeglicher Art zu uns: Laien, Priester, Ordensangehörige, Mönche etc. Offensichtlich sind sie der Meinung, in der Kirche nicht die geeignete Ansprache zu finden. Auch sind Katholiken immer wieder verstört über die Reaktionen von Priestern oder anderen Geschwistern in der Kirche, wenn sie das Thema gleichgeschlechtliche Neigungen zur Sprache bringen und dann ein weites Spektrum von Antworten bekommen – von völliger Unsicherheit und peinlichem Vermeidens über Verweisen auf zweifelhafte „Hilfsangebote“ bis hin zu Ratschlägen wie „dann lebe es halt aus“.

 

Wir haben uns immer wieder an kirchliche Organisationen, Bistümer, Orden, Einzelpersonen usw. gewandt und unsere Hilfe angeboten, in der Regel aber wurden wir mit eisigem Schweigen ignoriert. Gleichwohl fanden offen schwule Organisationen und Gruppen, die der katholischen Lehre deutlich entgegenstehen, offenbar problemlos Zugang zum Kirchentag – und wie es aussieht auch in Gemeinden.

Wir wollen hier nochmals ausdrücklich betonen, dass wir Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen mit Liebe begegnen – gehören oder gehörten wir doch selbst dazu. Wir sehen Liebe jedoch im Lichte Jesu Christi. Wir lieben Menschen genug, um ihnen die Wahrheit zu sagen, wie wir sie in der Bibel vorfinden, aber auch, um ihnen eine bedingungslos liebende Hand zu reichen und den gesamten Weg mit ihnen zu gehen. Wir dürfen Ihnen versicherten, Eminenz, dass hierbei noch niemand Schaden genommen hat – ganz im Gegenteil.

Werte Eminenz, wir möchten Sie nochmals ausdrücklich um Unterstützung bitten. Weisen Sie Hilfesuchende auf unsere Organisationen hin (sowie auf andere, die in dieser Richtung tätig sind)! Ermöglichen Sie uns den Zutritt zu Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen! Schieben sie unchristlichen Lehren einen Riegel vor!

 

Gerne sind wir auch zu einem Gespräch mit Ihnen bereit!

„Muss ich euch daran erinnern, dass die, die Unrecht tun, keinen Anteil am Reich Gottes haben werden, dem Erbe, das Gott für uns bereithält? Macht euch nichts vor: Keiner, der ein unmoralisches Leben führt, Götzen anbetet, die Ehe bricht, homosexuelle Beziehungen hat, stiehlt, geldgierig ist, trinkt, Verleumdungen verbreitet oder andere beraubt, wird an Gottes Reich teilhaben. Auch ihr gehörtet zu denen, die so leben und sich so verhalten – zumindest einige von euch. Aber das ist Vergangenheit. Der Schmutz eurer Verfehlungen ist von euch abgewaschen, ihr gehört jetzt zu Gottes heiligem Volk, ihr seid von aller Schuld freigesprochen, und zwar durch den Namen von Jesus Christus, dem Herrn, und durch den Geist unseres Gottes.“

(1. Korinther 6,9-14 Neue Genfer Übersetzung)

 

Es grüßt Sie in brüderlicher Verbundenheit

Robert Gollwitzer

Jason – International Christian Ex-Gay Ministry

Homosexuals Anonymous

 

Robert Gollwitzer

Ridlerstr. 21

80339 München

Tel.: 089/78018960 oder 0170/1293016

 

Evangelische Landeskirche - Quo vadis?

Posted on June 19, 2014 at 9:20 AM

Zum Papier „Orientierungslinien zur ethisch-theologischen Urteilsbildung am Beispiel der strittigen Bewertung von Homosexualität in christlicher Perspektive“

 

Beim eben veröffentlichten Papier der VELKD (siehe hier: http://www.ekd.de/presse/pm112_2014_texte_umgang_homosexualitaet_velkd.html) drängt sich eine Frage auf: Haben wir hierfür die „Reformation“ gebraucht? Oder anders ausgedrückt: Wer braucht diese VELKD eigentlich noch, die weder Fisch noch Fleisch ist?

 

Gehen wir etwas näher auf dieses Papier ein:

 

Es beginnt ja schon in der Überschrift: So wichtig eine „ethisch-theologische Urteilsbildung“ im Zusammenhang mit der (immer zu schulenden!) Gewissensbildung des Einzelnen ist, so unverständlich ist sie für eine Kirche/Gemeinschaft als Ganzes. Zu derart zentralen Fragen kann es nicht einer persönlichen Urteilsbildung überlassen bleiben, wie man/frau dazu steht – das wäre nichts anderes als moralischer Relativismus (jeder bestimmt selbst, was richtig und falsch ist) oder ein „Cafeteria-Christentum“, bei denen man/frau sich seinen Glauben selbst aus Versatzstücken unterschiedlichster Religionen oder persönlicher Vorlieben zusammensetzt.

Was die „strittige Bewertung“ angeht, so ist die vielleicht bei einzelnen Menschen strittig, aber nochmals: Wenn diese Bewertung bei der Kirche/Gemeinschaft als ganzer strittig ist, liegt etwas im Argen. Hier muss jedoch fairerweise hinzugefügt werden, dass einige Katholiken hier – leider - durchaus gleichziehen, wenngleich auch nicht die Katholische Kirche als ganze.

 

Beginnt man dann die Einleitung von Landesbischof Gerhard Ulrich zu lesen (wohlgemerkt soll dieser Text ja eine „Anleitung zur ethischen Urteilsbildung“sein), stellt sich die durchaus berechtigte Frage, warum ein solcher für die Allgemeinheit angelegter Text nicht auch in klarer, allgemein verständlicher Sprache gehalten ist. Wer in „hochgestochenen“ theologischen Phrasen spricht, ist sich möglicherweise selbst nicht über das Thema im Klaren. Eigentlich habe ich schon bei der Einleitung keine Lust mehr, weiter zu lesen, aber was soll’s.

Im Weiteren ist die Rede von einem „moralischen Apell“, zu dem die „vermeintliche Evidenz moralischer Normen“ führen kann, wenn „die auf die ihr vorausliegenden Gründe nicht mehr kritisch hinterfragt werden können“ (gemeint sind die persönlichen Entscheidungen).

Vereinfacht man diesen unerträglichen Schreibstil, so heißt das in etwa: „Moralische Normen sind nicht so klar und offensichtlich, wie man manchmal meint. Man muss zu deren Beurteilung auch auf die jeweiligen Beweggründe des Einzelnen achten“.

 

Die jeweiligen Beweggründe und die sonstigen Umstände sind natürlich immer in die moralische Bewertung mit einzubeziehen, daraus aber zu folgern, dass es keine klaren und offensichtlichen Normen mehr geben darf, ist – nochmals – moralischer Relativismus. Eine Religion, in der es keine allgemeine Übereinstimmung mehr gibt über das, was wahr, richtig, moralisch und natürlich ist, ist zum Scheitern verurteilt – ebenso wie jede weltliche Gesellschaft auch.

 

In der Bibel finden wir beides: Kulturell bzw. zeitlich bedingte Vorschriften (etwa bezüglich Kleidung, Aussehen, Essen), aber auch allgemein gültige Normen, die alle biblischen Bücher hindurch, also in verschiedensten Kulturen und Zeiten wiederholt und damit als allgemeiner Standard bestätigt wurden. Auf die Frage etwa, ob eine Ehescheidung unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, hat Jesus nicht einfach nur mit „ja“ oder „nein“ geantwortet. Er hat ganz bewusst den Standard aus Genesis bekräftigt: die heterosexuelle, monogame und lebenslange Ehe. Wenn Er uns aber derart offensichtlich und deutlich sagt, was richtig ist, muss Er dann noch eine lange Liste dessen anfügen, was falsch ist? Wohl kaum.

 

Weiter im Text:

 

„Ethische Fragen stellen sich in konkreten Problemlagen; sie stehen in einem bestimmten kulturellen, gesellschaftspolitischen oder wissenschaftlichen Kontext – beispielsweise der Medizin – und sind daher auf konkrete Herausforderungen bezogen. Da die Lebenswelten, in denen Menschen sich orientieren, entscheiden und handeln müssen, einem dynamischen Veränderungsprozess unterliegen, stellen sich die damit verbundenen ethischen Problemlagen in jeder Zeit in neuer und anderer Weise und fordern jede Zeit heraus, ihre eigenen Antworten zu finden. Dem entspricht die Tatsache, dass die Verantwortung für ethische Entscheidungen und ethisches Handeln nicht auf theoretisch-abstrakte oder allgemeine Weise wahrgenommen werden kann, sondern stets nur von individuellen Handlungssubjekten, die in bestimmten Rollenzuständigkeiten und als Partner komplexer Interaktionsgefüge agieren müssen.“

 

Ja, ethische Fragen stellen sich in konkreten Problemlagen. Genau deshalb ist es wichtig, dass hierfür klare, allgemein gültige und allgemein verständliche Normen vorhanden sind. Ansonsten wird das Christentum zu dem, was es vielerorts bereits ist: Ein lauwarmes Allerlei, das kein Mensch wirklich braucht. Gäbe es bestimmte „theoretisch-abstrakte“ Richtlinien nicht, an was sollten sich die Gläubigen dann orientieren. Bereits die Bibel warnt uns davor, dass unser Herz trügerisch sei. Wollen wir derartig wichtige Entscheidungen wirklich – abweichend von der Bibel! – der Einzelfallentscheidung überlassen?

 

Genau dieser unklare Mischmasch von dem, was nun gelten soll und was nicht, ist übrigens einer der Gründe, die den Islam für viele spirituell Suchende so attraktiv macht. Hier gibt es klare und nachvollziehbare Regeln.

 

„Einer bestimmten biblischen Aussage zu einer ethischen Frage lässt sich nicht unmittelbar eine Handlungsdirektive entnehmen.“

 

Es ist kaum zu glauben, zu was sich das protestantische Prinzip der „Sola Scriptura“ (die Bibel als alleinige Autorität, die von jedem verstanden und angewendet werden kann) entwickelt hat. Selbstverständlich beinhaltet die Bibelinterpretation Aspekte wie den Kontext in der Bibel selbst, den alt- und neutestamentlichen Hintergrund, die damalige historische und kulturelle Situation, die heutige Situation. Dies darf aber keineswegs bedeuten, dass es etwa dem heutigen Stand der Wissenschaft überlassen bleibt, ob und inwiefern eine Bibelstelle, die einen allgemein gültigen Standard wiedergibt, zum Tragen kommt. Anders ausgedrückt: Dann könnten wir die Bibel in den Müll werfen und uns unsere Religion selbst zusammen basteln (und nichts anderes tun ja viele „Gläubige“ heute! Wie sollten sie auch anders, wenn ihnen von denen, denen die Glaubensvermittlung, Glaubensweitergabe und Glaubensbegründung obliegt, so etwas erzählt wird).

 

„Angesichts dieser unhintergehbaren Vermittlungsleistung ist jede Gegenwart aufs Neue herausgefordert, zu den spezifischen Fragen und Problemen der eigenen Zeit eigenverantwortete Antworten zu finden.“

 

Dies ist ein grundfalsches und gefährliches Verständnis der Auslegung der Bibel. Hierfür hätten wir wahrlich keine „Reformation“ gebraucht. Ja, jede Generation muss die grundlegenden Aussagen der Heiligen Schrift für die Menschen von heute verständlich machen, was aber nicht heißt, dass hier „eigenverantwortliche Antworten“ gefunden werden sollen, also das, was jeder selbst für richtig hält. Wofür bräuchte man dann noch eine Religion?

 

„Wie Martin Luther immer wieder betont hat, legt sich die Schrift selbst aus, d. h. die biblischen Texte bringen sich in ihrer Wirksamkeit beim Leser oder Hörer selbst zur Geltung. (…) Dazu gehört, „dass die Schrift in der Begegnung mit einem Interpreten selbst die Initiative ergreift und sich selbst verständlich macht; sie ist Interpretin ihrer selbst und bedarf dessen nicht, dass ein Mensch – wer auch immer – ihr mit seiner Auslegungskunst erst auf die Sprünge hilft“

Und wieder sind wir bei dem tragischen Irrtum der „Sola Scriptura“ (ein Prinzip übrigens, dass nicht biblisch begründet ist – ganz im Gegenteil!). Wenn die Bibel sich selbst verständlich macht, der Heilige Geist also jeden Einzelnen im Verständnis leitet, warum haben wir dann ca. 40.000 verschiedene protestantische „Kirchen“ weltweit, die sich alle als „biblisch“ begreifen, aber teils enorm in ihren Glaubensüberzeugungen voneinander abweichen? Entweder ist der Heilige Geist hier etwas verwirrt (was mit Sicherheit nicht der Fall ist!) oder das Prinzip der „Sola Scriptura“ ist nicht nur grundfalsch, sondern gefährlich. Es gibt nicht einen einzigen Bibelvers, der dieses Prinzip bestätigt!! Ja, die Bibel ist ausreichend, nützlich etc. – aber nicht die Bibel ALLEIN! Die Bibel selbst weist uns immer wieder auf die Ältesten usw. hin, an die wir uns wenden sollen, auch und gerade, wenn es um deren Verständnis geht!

 

Ähnlich geht es weiter:

 

„Der Glaube, den die Schrift zu wecken vermag, ist nicht Glaube an „etwas“ in dem Sinne, dass ich eine gegenständliche Aussage für wahr halte, sie mir einleuchtet und ich ihr zustimme.“

Natürlich muss ich u.a. oben genannte Prinzipien zur Auslegung der Heiligen Schrift befolgen, es ist aber durchaus so, dass ich dem glaube, was da steht, sowie dem, der sich hier offenbart. Da der Einzelne hiermit völlig überfordert ist, leitet uns die Kirche im Verständnis dessen, was hier steht und wie es zu verstehen ist. Jesus selbst hat uns versprochen, dass Er uns den Heiligen Geist hinterlassen werde, der bei der Kirche als solcher bleibt und sie leiten und beschützen wird! Wofür sonst bräuchte ich denn dann eine Bibel oder ein allgemeines Glaubensbekenntnis – oder eine organisierte Religion an sich, wenn ich selbst Gott „spielen“ darf? Warum überhaupt noch in einen Gottesdienst gehen oder Glied einer Gemeinde sein, wenn ich das alleine auch ganz gut hinbekomme?

 

„Die Aussagen der Schrift wecken Glauben, indem sie übersetzt werden in persönliche Selbstdeutungsvollzüge“

 

Das Drama nimmt seinen Lauf. Jeder soll also für sich persönlich die Aussagen der Schrift deuten – „aufgrund der Selbsterschließungskraft der Schrift“. Was für ein Armutszeugnis für eine Religionsgemeinschaft!

 

Als „Argumentationshilfe“ wird angeführt, man solle sich schließlich nicht „an“ die Schrift halten, sondern „in“ der Schrift bleiben. Hier stellt sich jedoch die Frage, was das dann heißen soll – jeder legt für sich etwas aus, in dem er/sie dann bleibt. Wenn es noch nicht einmal einen Konsens dessen gibt, „worin“ ich bleiben soll, über was reden wir dann hier eigentlich?

Dieses Papier wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Wahrscheinlich ist das auch noch gewollt.

 

Weiter ist die Rede von der „Gewissensbindung“ des Einzelnen, wobei das Gewissen theologisch und nicht etwa moralisch verstanden wird. Selbstverständlich ist das – moralische wie theologische (also ob man diese beiden trennen könnte!) – Gewissen eine ernstzunehmende und zu respektierende Größe. ABER: Das Gewissen existiert nicht im luftleeren Raum und ist auch nicht den persönlichen Gefühlen, augenblicklichen Meinungen und Überzeugungen unterworfen. Verbunden mit der Anerkennung der Gewissensentscheidung muss für einen Christen immer auch die permanente Schulung dieses Gewissens sein: Was lehrt die Kirche als lebendiger Leib Christi und warum lehrt sie es? Wie sind die Aussagen der Heiligen Schrift zu verstehen? All dies auf Basis einer täglichen spirituellen Struktur im eigenen Leben – verbunden mit Bibelstudium, Gottesdienstbesuch, Gebet, Glaubensverkündung, einem gottgefälligen Leben, Werken der Barmherzigkeit und der Liebe etc. NUR DANN ist eine Gewissensentscheidung als solche als moralische wie theologische Größe zu respektieren!

 

Wenn ich nun weiter im Text lese, werde ich das Gefühl nicht los, dass hier mit theologischen Phrasen ein ungeheurer Spagat vollzogen werden soll, um aus einem klaren und unwiderlegbaren „nein“ ein „ja“ oder zumindest ein „vielleicht“ zu machen und dem Ganzen damit einen wissenschaftlichen und glaubhaften Anstrich zu geben. Theologie auf ihrem Tiefststand.

 

Ja, die Kirche muss die „Lebensrealität“ berücksichtigen und ihre Lehre (die Lehre der Bibel!) rational begründen, ja den Glauben an sich rational begründen, sie darf sich ihr aber nie und nimmer „anpassen“! Dies wird zwar bewusst von einer Anpassung an den „Zeitgeist“ getrennt, aber egal wie man das schön redet und weg diskutieren will, letztendlich läuft es doch genau darauf hinaus!

 

Ach ja, liebe Theologinnen und Theologen: Wenn ich die Wörter: „entfaltet“, „erschließt“ oder „Spannung“ nochmal höre oder lese, fange ich zu schreien an! Wer nicht in der Sprache der Gläubigen reden kann oder will, sollte es besser bleiben lassen!

 

„Anderseits ist auch zu konstatieren, dass im Zuge der Emanzipation von Minderheiten, der Entwicklung der Toleranzfähigkeit und rechtlicher Gleichstellungsmaßnahmen gerade in den modernen westlichen Gesellschaften die selbstbewusste Ausbildung einer homosexuellen Identität, die die Person als ganze prägt, befördert und schließlich auch legalisiert worden ist.“

Was die Schwulenbewegung in den letzten Jahren unternommen hat, hat mit „Emanzipation“, „Toleranzfähigkeit“ oder „rechtlicher Gleichstellung“ wenig bis gar nichts zu tun. Eine gesellschaftliche Minderheit, die von der Gesellschaft nicht nur verlangt, ihre Ansichten und Handlungsweisen nicht zu kriminalisieren oder diskriminieren, sondern sie (möglicherweise unter Androhung von Konsequenzen) sogar zwingt, diese für gut und richtig zu befinden, ist nicht „tolerant“. Wenn „Emanzipation“ bedeutet, Andersdenkende in eine radikale Ecke zu stellen, um sich erst gar nicht mit deren Argumenten beschäftigen zu müssen, können wir gerne darauf verzichten. „Anti-Diskriminierungsgesetze“, die besondere Bevölkerungsgruppen hervorheben und damit möglicherweise eine „Diskriminierung“ anderen – nicht extra aufgeführten – Bevölkerungsschichten gegenüber verursacht (anstatt auf bestehende und völlig ausreichende Gesetze für alle zurückzugreifen), haben mit „rechtlicher Gleichstellung“ wenig zu tun.

 

Im Folgenden ist davon die Rede, wie die Wissenschaft davon abgekommen ist, Homosexualität als psychische Störung oder Krankheit zu begreifen. Leider wird mit keinem Wort erwähnt, dass dies nicht aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgte (die es bis heute nicht gibt!), sondern allein aufgrund des damaligen politischen Drucks schwuler Gruppen. Müssen wir nun befürchten, dass es mit Pädophilie oder ähnlichen Orientierungen einen vergleichbaren Verlauf nimmt? Anzeichen hierfür gibt es ja offenbar.

 

Wie dem auch sei – für einen christlichen Standpunkt ist dies zweitrangig (ich sage bewusst nicht unwichtig!). Es ist ja nicht so, dass unser Schöpfer weniger Ahnung als wir heute hatte, als er uns bestimmte Standards und Normen gab und uns davor warnte, einen anderen Weg zu gehen. Er tat und tut dies nicht, weil Er uns gerne herum kommandiert, sondern weil Er uns liebt und weiß, wohin es führt, wenn wir diesen anderen Weg gehen. Nicht umsonst lesen wir vom engen Tor, das zum Himmel führt und dem breiten Tor, dass in die andere Richtung geht.

„Mit Blick auf das Phänomen der Homosexualität zielt die in unserer Situation spezifische Frage somit nicht darauf, wie homosexuelles Verhalten zu bewerten ist, sondern wie Menschen, deren sexuelle Identität gleichgeschlechtlich geprägt ist, ihr Leben im Kontext von Gesellschaft und Kirche gestalten können.“

 

Hier muss ich etwas weiter ausholen: Unter gleichgeschlechtlichen Neigungen versteht man im Allgemeinen eine überwiegend vorherrschende, lang andauernde sexuelle und emotionale Anziehung zu Menschen des eigenen Geschlechts. „Homosexualität“ (eine im Übrigen noch relativ neue Wortschöpfung) als eigenständige Identität gibt es im christlichen Verständnis nicht. Ja, manche Menschen haben gleichgeschlechtliche Neigungen – warum auch immer (und mag einer der Gründe auch „genetischen“ Ursprungs sein!). Das gibt ihnen im christlichen Sinne aber noch keine eigenständige Identität! Sie sind, was sie sind: Männer und Frauen („Heterosexuelle“) mit gleichgeschlechtlichen Neigungen. Gott hat nur eine Form der Identität geschaffen. Wir wurden alle in Seinem Ebenbild geformt – und haben nicht hiervon abweichende „Identitäten“.

 

Um gleichgeschlechtliche Neigungen zu verstehen und zu bewerten, muss man auf die verschiedensten Faktoren eingehen, die zu ihrer Entwicklung beitragen. Ja, für einen Christen sind sexuelle Akte – ebenso wie Fantasien etc. – die sich außerhalb einer lebenslangen monogamen Ehe zwischen Mann und Frau abspielen, Sünde. Als Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen jedoch sind sie von Gott und der Kirche geliebt. Jedoch ist die Kirche auch gerufen, ihnen bei Bedarf geeignete Unterstützung anzubieten (Stichwort: „Ex-Gay Einrichtungen“) sowie ihre Gaben zu erkennen und für Gottes Ruhm zu nutzen. Wenn mit oben zitierter Aussage gemeint ist, dass sie bleiben sollen, wie sie sind und leben, wie sie wollen und trotzdem in der Gemeinde ihren aktiven Platz finden, so ist dem ausdrücklich zu widersprechen.

 

„Zieht man die Theologie Martin Luthers als Referenzrahmen heran – und diese ist in lutherischen Kirchen hermeneutisch leitend für das Verständnis der biblischen Texte –, so legt es sich nahe, eine theologische Grundstruktur von Luthers Denken fruchtbar zu machen, die mit Bezug auf ethische Fragestellungen ein weitreichendes Erschließungspotenzial zu entfalten vermag.“

 

„Sola Scriptura“ – aber trotzdem gilt die Theologie eines einzelnen Menschen als Referenzrahmen für das Verständnis der biblischen Texte? Das ist ein Widerspruch in sich und im Ganzen absurd.

 

„Insbesondere hinsichtlich der Frage nach einer theologisch verantworteten Beurteilung der Homosexualität beste¬hen binnen- wie zwischenkirchlich faktisch große Spannungen. Wie können die Kirchen mit der Diversität ethischer Urteilsbildungen umgehen?“

„Insbesondere Martin Luther hat immer wieder betont, dass ein Christenmensch nicht aus Gehorsam gegenüber einem moralischen Gesetz handelt, sondern weil er in Christus bestimmt ist durch die Macht des Evangeliums. Dessen Kraft aber erweist sich in der Liebe, die das Gebot als Struktur verantwortlichen Lebens nicht verachtet, sich jedoch in Freiheit dazu verhält. Diese Einsicht kollidiert faktisch jedoch nicht selten mit der – binnenkirchlich wie gesellschaftlich weit verbreiteten – Erwartung, dass die Kirchen ethisch und kulturell favorisierte und traditionell bewährte Leitbilder wahren und pflegen.“

 

Hmmm…

 

Da Lutheraner ja so viel wert auf „Sola Scriptura“ legen, sehen wir uns doch einfach mal an, was diese Heilige Schrift dazu sagt:

 

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh 15,15. Einheitsübersetzung)

Ein Christ handelt also durchaus aus Gehorsam gegenüber einem moralischen Gesetz! Dieser Gehorsam ist sowohl Ausdruck als auch Folge der Liebe zu Jesus und kann davon nie getrennt werden!

 

„Hinsichtlich des kirchlichen Umgangs mit ethisch-theologischen Dissensen lassen sich zwei alternative Lösungsmodelle29 unterscheiden. Das erste Modell strebt eine Konsensfindung auf der Basis von Konsenspapieren an. Damit wird faktisch ein Geltungsanspruch erhoben, der diejenigen, die diesem nicht zustimmen können oder wollen, zwangsläufig exkludieren muss. Das alterna¬tive Modell geht von der Überzeugung aus, dass die Einheit bzw. Einmütigkeit der Kirche nicht in Konsensen gründet, sondern im Geist der Liebe.“

 

Im Grunde sind beide Ansätze falsch. Es liegt nicht im Entscheidungsbereich der Gläubigen, per Konsenspapier zu einer Mehrheitsentscheidung zu kommen oder eine Meinungsverschiedenheit aus einem „Geist der Liebe“ heraus bestehen zu lassen. Es kann nicht angehen, dass der eine meint, das wäre richtig und der andere jenes. Wiederum ein Drama des Protestantismus. Jeder ist so für sich selbst Papst – und Gott. Entweder stimmen wir ab darüber, was zu glauben ist, oder wir lassen es bei unterschiedlichen Meinungen. Wofür bräuchte man da noch eine Kirche oder religiöse Gemeinschaft? Wofür überhaupt den christlichen Glauben?

 

Gott wusste um unser unbeständiges Wesen und um unser Herz, deshalb gab er uns die Bibel als geschriebenes Wort Gottes und Seine Kirche als den Leib Christi, die uns im Verständnis der Bibel leiten soll.

 

„Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und zieh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt. Sie führt durch eine einsame Gegend. Und er brach auf. Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen. Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.“ (Apg 8,26-31. Einheitsübersetzung)

 

„Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. Das hat euch auch unser geliebter Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.“ (2 Petr 3,15-16. Einheitsübersetzung)

 

„Ein biblisches Vorbild für diesen Weg ist im Jerusalemer Apostelkonzil zu finden (vgl. Gal. 2,7ff), das die Heiden- und Judenmission als zwei Weisen anerkennt, den gemeinsamen Auftrag der Verkündigung in unterschiedlichen Gestaltungsformen wahrzunehmen und die damit verbundenen theologischen Dissense – z. B. hinsichtlich der Frage nach der Bedeutung des Beschneidungs- oder des Speisegebotes – in ihrer Spannung auszuhalten.“

 

Das soll eine „theologische“ Begründung sein? Mit Verlaub, das ist ein Armutszeugnis. Unterschiede bei der Heiden- und Judenmission bzw. der Beschneidung (eine Frage, die letztlich kirchlich geklärt wurde!) als Vergleich für das „Aushalten“ einer „Spannung“ bei „theologischen Dissensen“ zu bemühen (also etwa unterschiedliche Auffassungen zu der Frage: Ist das Ausleben von gleichgeschlechtlichen Neigungen oder gar die Lebensgemeinschaft zweier Männer oder Frauen aus christlicher Sicht vertretbar?), kommt einer theologischen Bankrotterklärung gleich. Wenn wir nicht mehr wissen, welcher Weg der richtige ist, soll eben jeder seinen Weg gehen und alles ist gut. Wir „halten diese Spannung aus“. Um Himmels willen, wohin bewegt sich diese Form des Protestantismus eigentlich noch?

„In der Observanz der Tora gewinnt die Identität Israels als das von Gott erwählte Volk in der Welt konkreten Ausdruck. Die Tora lässt sich daher nicht einfach als allgemein verbindliches „Gesetz“, als Summe einzelner ethischer Forderungen aus diesem Zusammenhang abstrahieren. Die Erfüllung der Tora stellt für Israel vielmehr die nach außen sichtbare Seite seiner Erwählung dar. „Gesetz“ ist daher nicht eine dem Menschen von außen entgegentretende, ihm auferlegte Forderung; die „Werke des Gesetzes“ bezeichnen nicht allgemein verbindliche moralische Handlungen.“

 

Nein, das Gesetz ist nicht nur eine Summe einzelner Forderungen. Es ist eine befreiende Botschaft, die dem Volk Israel beim Auszug aus der Knechtschaft mitgegeben wurde – aber es ist sehr wohl ein verbindlich zu befolgendes Gesetz! Was wäre die Alternative? Wir sehen das Ganze nur als Ausdruck unserer Erwählung durch Gott – und jeder entscheidet für sich, was gut und richtig ist und wir „halten diese Spannung aus“?

 

„Welche Handlungen, welches Verhalten sorgt dafür, dass die Gemeinde in ihrem besonderen kulturellen Kontext „scheint als Lichter in der Welt“ (Phil.2,15) und ihre Umwelt erkennt, dass das Licht des Evangeliums in ihr strahlt und sie erleuchtet?“

 

Welches „Licht des Evangeliums“ soll das denn sein, wenn man sich nicht auf den Inhalt dessen, was man glaubt und als wahr und richtig – und verbindlich! – anerkennt, einigen soll? Da hat dann wohl jeder seine eigene Taschenlampe.

 

„Die spezifisch christliche Identität sieht Paulus darin begründet, dass die vielen und verschiedenen Glieder der Ekklesia mit der Taufe „in Christus“ einer sind. Der Grund dieser Einheit liegt theologisch in der Rechtfertigung aus Glauben, die für Juden wie Heiden gleichermaßen gilt. Die sozialen und kulturellen Unterschiede – wie auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den sexuellen Identitäten – sind damit aufgehoben. (vgl. Gal. 3,28; 5,6; 6,15; Röm. 10,12f; 1. Kor. 10,17; 12,12f; Phlm. 16).“

 

Mitnichten sind Unterschiede in den „sexuellen Identitäten“ aufgehoben – zumindest nicht in der Sichtweise, auf die hier wohl angespielt wird! Wir können nicht mit der Mentalität des schwulen Aktivismus die Heilige Schrift auslegen! Wir können und dürfen nicht unsere eigene Weltsicht in die Bibel „hineinlesen“, sie also so lange zu drehen und zu wenden, bis sie mit unserer Meinung übereinstimmt – anstatt unser Leben und Denken so lange zu drehen und zu wenden, bis es mit den Aussagen der Bibel übereinstimmt!

 

Im Weiteren wird auf die Rechtfertigung allein durch den Glauben eingegangen. Auch dem widerspricht die Bibel, die man doch als alleinige Richtschnur sieht:

 

„Ihr seht, dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein.“

(Jak 2,24. Einheitsübersetzung)

 

„Ethisch leitend sind dementsprechend Normen, „die diese Dominanz der gemeinsamen Identität über das Trennende zum Ausdruck bringen, herstellen und bewahren können““

Wenn das heißen soll, dass es bezüglich gleichgeschlechtlicher Neigungen und dem Umgang damit verschiedene Meinungen geben darf und wir dann eben Normen finden sollen, die eine „gemeinsame Identität“ zum Ausdruck bringen, so muss ich sagen, will ich nicht wissen, welcher Natur diese „gemeinsame Identität“ sein soll. Mit dem christlichen Glauben hat so etwas meiner Meinung nach nichts mehr zu tun.

 

Als „theologische“ Begründung soll offenbar nicht die Beziehung der Menschen untereinander, sondern die Beziehung des Menschen zu Gott herhalten. Nun ist das eine jedoch nicht ohne das andere zu sehen und eine Beziehung zu Gott nicht im luftleeren Raum steht, sondern die Liebe zu Ihm ihren Ausdruck im befolgen Seiner Gebote finden muss, was uns Jesus ausdrücklich aufgetragen hat! Ein kleiner Junge tut ja auch nicht einfach, was er will, aber zu seinem Papa hat er ein liebevolles Verhältnis. Nein, er tut das, was ihm sein Papa gesagt hat, weil er weiß, das es nicht gut für ihn ist, wenn er das nicht tut – und außerdem seinen Vater weh tut und das Verhältnis der beiden belastet.

 

Dr. Mareile Lasogga, die Autorin des Papiers, sieht richtigerweise die Einheit der Kirche durch diese Auseinandersetzungen um gleichgeschlechtliche Neigungen gefährdet. Sie bemüht in diesem Zusammenhang „die theologische Begründung der von Paulus immer wieder ausgesproche¬nen Ermahnung, einander respektvoll und geduldig in Spannungen und trotz Spannungen zu ertragen.“ Dies geschieht wohl in der Absicht, die Menschen mit unterschiedlichen Meinungen mit einer biblischen Begründung dazu zu bewegen, sich trotz unterschiedlicher Auffassungen, „trotz Spannungen zu ertragen“. Das ist ein völlig verzerrtes und in der Konsequenz gefährliches und in die Irre führendes Verständnis von Paulus und der Bibel an sich. Ja, wir sollen uns trotz unserer Unzulänglichkeiten ertragen und lieben, wir sollen aber auch einander ermahnen und auf den richtigen Weg (zurück) bringen – und nicht einfach nur „Spannungen aushalten“. Es ist nicht egal, was jemand glaubt, vertritt und letztlich tut. Wenn ich ihn/sie liebe, muss ich auch alles daran setzen, dass er/sie wieder auf dem rechten Weg geht!

 

Ich kann nur hoffen, dass es noch Menschen innerhalb der Evangelischen Kirche gibt, die an die Wahrheiten der Bibel glauben und ihre Geschwister aus Liebe ermahnen und die Kirche als solche wieder zurück auf den rechten Weg führen!

 

München, 19.06.2014

 

Robert Gollwitzer

Offener Brief an die deutsche Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig

Posted on June 12, 2014 at 2:35 PM

Sehr geehrte Frau Ministerin,

 

gemäß Ihrer Pressemitteilung vom 12.06.2014 (http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=207828.html) haben Sie gemeinsam mit Berliner „Regenbogenfamilien“ die „Regenbogenflagge" gehisst.

 

Im Zusammenhang hiermit erklärten Sie unter anderem:

 

"Das Hissen der Regenbogenflagge steht für unser gemeinsames Ziel eines toleranten und weltoffenen Europas ohne Diskriminierung. Überall dort, wo Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt, angefeindet oder gar angegriffen werden, muss gehandelt werden. In Deutschland, in Europa, weltweit. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung und Aufgabe.“

 

Nun hören sich derartige Statements ja erst einmal ganz gut an. Wer hätte schon etwas gegen „Diskriminierung"?

 

Mein Name ist Robert Gollwitzer. Ich bin Gründer einer internationalen christlichen Ex-Gay Einrichtung namens „Jason“ (http://jason-online.webs.com), die wiederum an Homosexuals Anonymous (www.homosexuals-anonymous.com) angeschlossen ist.

 

Selbstverständlich haben auch wir nichts gegen eine Diskriminierung oder Benachteiligung aufgrund der sexuellen Orientierung – auch wir haben oder hatten schließlich einmalgleichgeschlechtliche Neigungen. Die Probleme, die wir mit derartigen Aussagen haben, sind folgende:

 

1) Diskriminierung ist sowohl gesetzlich wie moralisch (und in unserem Fall auch auf Basis unseres christlichen Glaubens) abzulehnen. Hierbei jedoch einzelne Gruppen besonders hervorzuheben oder gar per Gesetz einen Sonder-Status einzuräumen, macht zum einen keinen Sinn und widerspricht zum anderen der ursprünglichen Intention, da das Ergebnis hiervon – gewollt oder ungewollt – ist, dass einzelne Bevölkerungsteile Sonder-Rechte erhalten, was in sich schon eine Benachteiligung für andere Bevölkerungsteile bedeuten kann.

 

2) Was ebenfalls sauer aufstößt, ist das „wie“ dieser Abneigung gegenüber Diskriminierung und Benachteiligung. In der Regel läuft dies – im Zuge einer völlig falsch verstandenen „Toleranz“ – doch darauf hinaus, dass nicht nur Menschen nicht diskriminiert oder benachteiligt werden sollen, sondern andere gleichzeitig eine bestimmte Orientierung und ein darauf aufbauendes gelebtes Verhalten akzeptieren sollen – ja, müssen. Gegenpositionen werden regelmäßig in eine radikale Ecke gestellt oder schlichtweg ignoriert. Hiergegen wehren wir uns ausdrücklich, da dies unschwer dazu führen kann, dass wir aufgrund unserer religiösen Überzeugung diskriminiert und benachteiligt werden (etwa, in dem wir mehr oder weniger deutlich zu etwas gezwungen werden, dass unserem Glauben widerspricht) und unsere Meinungsfreiheit hiervon betroffen sein kann.

 

Weiter in Ihrer Erklärung:

 

„Eine tolerante und weltoffene Gesellschaft entsteht nicht per Gesetz. Sie entsteht durch das Miteinander von Menschen. Es ist eine Frage der Haltung einer Gesellschaft, die zu einem Klima der Offenheit führen muss. Da ist jede und jeder gefragt."

 

Nein, gesellschaftliche und besonders moralische Werte und Grundlagen lassen sich nicht per Gesetz erzwingen, da ja auch dieses auf einer keineswegs wertneutralen Basis steht – ja stehen darf (abgesehen davon gibt es so etwas wie „Wert-Neutralität“ gar nicht). Die Frage ist nur, was denn das für Werte sind, die hier hochgehalten werden sollen. Für uns sieht diese „Toleranz“ und dieses „Miteinander“ eher nach einem moralischen Relativismus aus, indem es keine gesellschaftliche Übereinkunft mehr gibt über das, was wahr, richtig, moralisch und natürlich ist, sondern es gleichsam einem undifferenziertem Mischmasch von individuellen Überzeugungen überlassen wird, irgendwie zu irgendwelchen Werten zu kommen. Ein moralischer Relativismus dieser Art muss zwangsweise mittelfristig zur Zerstörung einer Gesellschaft führen, da ja selbst das oben angeführte Gesetz dann auf einer nicht näher definierten Grundlage steht, bei der (beinahe) alles möglich ist. Schlagwörter wie „Toleranz“, „Weltoffenheit“, „Miteinander“ klingen gut, müssen jedoch näher bestimmt werden. Wenn all dies bedeuten soll, dass jeder tun, lassen und denken kann, was er/sie möchte – aber keinesfalls seine (möglicherweise kritische) Meinung gegenüber dem Tun und Lassen eines anderen kundtun darf, so ist das keinesfalls „Toleranz“, es ist nicht „weltoffen“ und trägt schon gar nicht zum „Miteinander“ bei – es ist schlichtweg Gleichmacherei. Ganz im Gegenteil – wenn dies dazu führt, dass Gruppierungen oder Überzeugungen wie die unsere im besten Fall ignoriert und im schlechtesten Fall schlecht gemacht oder gar kriminalisiert werden, dann hat diese „Toleranz“ schnell ein gar nicht tolerantes Ende.

 

„Mir ist wichtig, dass wir den Kampf für Vielfalt und Toleranz auf der rechtlichen Ebene aber eben auch auf der kulturellen Ebene führen. Denn unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig. Deshalb muss 'Anders' sein endlich normal sein."

 

Was bedeutet denn ein „Kampf für Vielfalt und Toleranz“? Momentan sieht es doch teilweise so aus, dass Menschen, die etwa einem Ausleben von gleichgeschlechtlichen Neigungen, einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“, einer Adoption seitens gleichgeschlechtlicher Paare oder einer alleinigen Teilnahme von schwul/lesbischen Gruppen an Veranstaltungen im Rahmen des Schulunterrichts ablehnend gegenüber stehen, nicht selten als „homophob“ bezeichnet werden. Abgesehen von der Absurdität des Begriffes (wer hat denn schon eine phobische Reaktion im Zusammensein mit Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen?), wird hierbei unterstellt, dass der alleinige Beweggrund für diese ablehnende Haltung ein undifferenzierter „Hass“ gegenüber Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen ist. Eine Auseinandersetzung mit möglicherweise dahinterstehenden rationalen Gründen und Argumenten wird somit – bewusst? – vermieden.

 

Wir wehren uns weiterhin dagegen, einen Begriff wie „Anders-sein“ gleichsam wie eine Charaktereigenschaft zu verwenden. Fürsorglichkeit, Großzügigkeit, Eifersucht etc. sind Charaktereigenschaften. Sie entspringen der Persönlichkeit eines Menschen, deren Ausdruck sie gleichzeitig sind. Im Gegensatz zu Eigenschaften, die aus dem Inneren eines Menschen kommen, ist „Anders-sein" keine Charaktereigenschaft an sich. Sie drückt vielmehr ein Verhältnis oder einen Vergleich zu bzw. mit anderen Menschen und deren körperlichen und/oder charakterlichen Eigenschaften aus. Auch hier sehen wir das Problem darin, dass hier bestimmten Menschen ein besonderer Status rein aufgrund eines „Anders-sein“ verliehen werden soll. Weiterhin kann dies auch dazu führen, dass diese Menschen das oft proklamierte „Anders-sein“ verinnerlichen und sich eine möglicherweise bereits bestehende Kluft zu ihren Mitmenschen noch vertieft bzw. im Zuge einer selbst-erfüllenden Prophezeiung sie etwas annehmen, was Ihnen zunächst nicht zu eigen war: „Anders-sein“ – im Sinne von „Fremdartig- oder Seltsam-sein".

 

„Auch Kinder müssen vorurteilsfrei Aufwachsen. Gerade Kinder von Regenbogenfamilien haben es in der Schule oft schwerer, weil ihre Eltern anders leben als die ihrer Klassenkameraden. Sie begegnen Vorurteilen und Ausgrenzung. Gerade in Schulen müssen aber die Grundsteine für Offenheit, Anerkennung und Toleranz gelegt werden."

 

Kinder von „Regenbogenfamilien“ haben es unserer Überzeugung nach nicht nur in der Schule aufgrund des familiären Hintergrundes schwerer, sondern aufgrund des familiären Hintergrundes selbst. Wir – und mit uns viele Menschen weltweit – sind der festen Überzeugung, dass eine monogame, heterosexuelle, lebenslange Familie auf Basis unserer traditionellen christlichen Familienwerte die beste und gesündeste Umgebung für alle Beteiligten bietet – vor allem aber der Kinder. Als Stütze unserer Behauptung verweisen wir auf unsere Homepages. Wenn Sie nun aber Werte wie „Offenheit, Anerkennung und Toleranz“ anführen, so verweisen wir auf oben genannte Argumente. Selbstverständlich sind diese Werte wichtig. Jedoch ist hierfür erst einmal eine genaue Begriffsdefinition von Nöten. Was bedeuten denn diese Werte eigentlich und welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Ja, Kindern muss nahe gebracht werden, dass Mitmenschen zu respektieren und allgemein anerkannte Menschenrechte wie die Würde des Menschen, dessen körperliche und seelische Unversehrtheit zu gewährleisten sind oder die Meinungsfreiheit garantiert werden muss. Aber noch einmal und ganz ausdrücklich: Was man hierbei nicht machen darf (!), ist, Menschen in Gruppen zu unterteilen oder gar im Zuge der Vermittlung von Werten wie Respekt und Toleranz gleichzeitig die Akzeptanz der eigenen Meinung und/oder des eigenen Lebensstils einfordert. Abgesehen davon sehen wir die Umsetzung dieser Werte gerade in den Schulen als nicht gegeben an, wenn etwa schwul/lesbische Gruppierungen im Rahmen des Schulunterrichts ihre subjektive Meinung kundtun dürfen, Einrichtungen wie die unsere jedoch konsequent ignoriert werden (der Vollständigkeit halber sei hier angeführt, dass es noch weitere Einrichtungen unserer Art gibt, mit denen wir uns solidarisch sehen).

 

„Die Regenbogenflagge ist weltweit das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung, sie steht für Vielfalt und Respekt ebenso wie für Engagement gegen Homophobie und Transphobie. Seit den 1990er Jahren wird in Berlin und vielen Städten des Landes an Rathäusern die Regenbogenflagge gehisst."

 

Auch hier möchten wir entschieden widersprechen. Die lesben- und Schwulenbewegung hat den Regenbogen keinesfalls für sich gepachtet oder gar erfunden.

 

„Dann sprach Gott zu Noach und seinen Söhnen, die bei ihm waren: Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Tieren des Feldes, mit allen Tieren der Erde, die mit euch aus der Arche gekommen sind. Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen: Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben. Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde. Balle ich Wolken über der Erde zusammen und erscheint der Bogen in den Wolken, dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch, und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden, die alle Wesen aus Fleisch vernichtet. Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des ewigen Bundes gedenken zwischen Gott und allen lebenden Wesen, allen Wesen aus Fleisch auf der Erde. Und Gott sprach zu Noach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich zwischen mir und allen Wesen aus Fleisch auf der Erde geschlossen habe."

(Genesis 9,8-17. Einheitsübersetzung)

 

Der Regenbogen ist also ein Bundeszeichen zwischen Gott und den Menschen, insbesondere dem Volk Israel. Als überzeugte Christen halten wir an diesem Bundeszeichen fest.

 

Die Schwulen und Lesbenbewegung steht auch nicht unbedingt und zwangsweise für Respekt – etwa was ihr Verhältnis uns gegenüber betrifft. Und „Vielfalt“ allein ist ebenfalls kein positiv besetzter Wert, sondern ein neutraler Ausdruck verschiedener Elemente einer Menge.

 

Was „Homophobie“ oder gar „Transphobie“ betrifft, verweisen wir auf bereits Geschriebenes. Der Begriff „Homophobie“ selbst ist noch relativ neu. Wir weisen derartige Klassifizierungen ausdrücklich zurück. Hier werden Menschen anderer Meinung möglicherweise ihrerseits diskriminiert, da ihnen eine negativ bewertete Charaktereigenschaft unterstellt wird, anstatt ihnen das Recht einer eigenen, rational begründeten Meinung zuzugestehen. Derartiges erinnert an unselige Mittel der Propaganda, keinesfalls aber an „Respekt“ oder „Toleranz“ anderer Meinungen und schon gar nicht eine Auseinandersetzung mit diesen. Denn „Toleranz“ bedeutet nicht, dass jeder seine/ihre Meinung haben kann und keiner darf den anderen kritisieren. Toleranz heißt vielmehr, den Menschen als solchen zu respektieren – und das tut man am ehesten, indem man verschiedene Meinungen und Wertvorstellungen auf den Tisch bringt und offen und wertschätzend darüber redet.

 

Wir denken zum Beispiel nicht, dass sich das Leid und die inneren Probleme „transsexueller“ Menschen dadurch beheben lassen, dass man ihnen etwas wegschneidet, ihnen Medikamente gibt oder Silikon einsetzt. Mann und Frau unterscheiden sich körperlich in unzähligen Merkmalen. Dies im Zuge von chirurgischen Eingriffen, mit medikamentöser Therapie und schließlich mit Make-up und Kleidung „korrigieren“ zu wollen, ist in unseren Augen eine Verletzung des hippokratischen Eides seitens der behandelnden Ärzte sowie eine sehr verzerrte Sichtweise der geschlechtlichen Identität und letztlich ein Armutszeugnis der Psychotherapie. Wir lieben solche Menschen und wollen ihnen etwas Besseres bieten als das.

 

Auch sind wir befremdet darüber, dass die „Regenbogenflagge“ an öffentlichen Gebäuden gehisst wird. Wie sind wir nur an einen Punkt gekommen, an dem wir uns von einer gesellschaftlichen Minderheit unsere Überzeugungen und deren Darstellung nach außen derart kritiklos diktieren lassen? Was hat eine Flagge, die eine sexuelle Orientierung kennzeichnet, auf einem öffentlichen Gebäude zu suchen?

 

Sehr geehrte Ministerin, wir denken, dass Sie die Ministerin aller Bürgerinnen und Bürger dieses Landes sind – unabhängig von deren Überzeugungen. Als solche möchten wir Sie bitten, sich genauso offen und ausdrücklich für unsere Überzeugungen und die Möglichkeit deren Ausdrucks auch in öffentlichen Einrichtungen einzusetzen, wie Sie das für schwul/lesbische Gruppierungen tun.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Robert Gollwitzer

Ridlerstr. 21

80339 München

Bekommen Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen keine Hilfe?

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Alle Unterstützung für aktive Schwule, aber keine für die, die erst gar nicht dorthin wollen?

 

Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen haben in der Regel ein breites Angebot an Beratungs- und sonstigen Dienstleistungen zur Verfügung – wenn sie diese ausleben. Staatlicherseits dick subventioniert bleibt hier kaum ein Wunsch oder Bedürfnis unbefriedigt.

Will man/frau aber – aus welchen Gründen auch immer – dieses Leben verlassen oder erst gar nicht dorthin kommen, sieht es rabenschwarz aus.

 

Therapien

 

Ansprechpartner für psychotherapeutische Unterstützung: Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Auf eine Anfrage hin, ob es denn für Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen Unterstützung gibt – wohlgemerkt nicht (!) automatisch für Menschen, die „heterosexuell“ werden wollen, kam eine sehr standardisierte Antwort: Zunächst wird man darüber belehrt, dass 1973 die amerikanische Psychiatervereinigung APA Homosexualität vom DSM (Liste der psychischen Krankheiten) gestrichen hatte. Als Folge davon wurde das 1991 auch bei uns (hier: der ICD) so gehandhabt. Homosexualität sei keine Krankheit, sondern eine häufige Form menschlichen Zusammenlebens. Sie bedürfe deshalb keiner Therapie.

 

Abgesehen davon, dass dies keine Antwort auf die ursprüngliche Frage war (es ging nicht um eine „Therapie“ von Homosexualität, sondern um therapeutische Begleitung bei der Suche nach einem alternativen Leben!), wird hier – bewusst oder unbewusst – ein wesentliches Detail verschwiegen.

 

Die Tatsache, dass Homosexualität aus dem DSM bzw. ICD genommen wurde, beruhte keineswegs auf neuen medizinischen Erkenntnissen. Die lagen damals schlichtweg nicht vor – und tun dies auch heute nicht. Der Grund hierfür war allein politischer Art – ein erheblicher Druck der Schwulenbewegung. Selbst heute also lässt sich die DGPPN instrumentalisieren und verschließt politisch nicht korrekten Forschungen den Weg.

 

Weiterhin heißt es in der Antwort, die DGPPN lehne „reparative Therapien“ oder „Konversionstherapien“ entschieden ab. Auch hier: dies war nicht Gegenstand der Frage. Außerdem konnte ich keine Organisation und keinen Therapeuten hier in Deutschland ausfindig machen, der eine „Konversationstherapie“ anbietet. Auch hier geht die DGPPN der Schwulenbewegung auf dem Leim. Reparative Therapie und Konversionstherapie werden hier fälschlicherweise in einem Atemzug genannt, beschreiben aber etwas ganz anderes. Während eine Konversionstherapie die sexuelle Orientierung verändern will (es gibt mittlerweile tatsächlich Anzeichen für eine „Fluidität“ menschlicher Sexualität – sie ist also keineswegs in Stein gemeiselt!), konzentriert sich die Reparative Therapie auf einige der Faktoren, die zur Entwicklung gleichgeschlechtlicher Neigungen beitragen, etwa eine Störung der Geschlechts-Identität, unerfüllte legitime Bedürfnisse, ein gestörtes Verhältnis zum gleichgeschlechtlichen Elternteil etc. Dies ist offenbar der DGPPN noch nicht einmal bekannt – sie bedient sich ungeprüft der Meinung von wissenschaftlichen Laien, die ihre eigene Agenda verfolgen. Selbst das Argument, Homosexualität sei eine „häufige“ Form menschlichen Zusammenlebens, ist wissenschaftlich irrelevant. Eine psychische Störung, die häufig auftritt, wird alleine dadurch ja auch noch nicht zum weniger pathologisch. Die Tatsache, dass es viele tun, macht etwas weder in moralischer noch in medizinischer Form „besser“ oder „schlechter“.

 

Als medizinischen „Beleg“ für die eigene Sichtweise führt die DGPPN an, es gebe keine empirische Evidenz (Nachweis) für günstige Effekte von Konversionsverfahren, wohl könne Patienten dadurch aber Schaden zugefügt werden. Erneut wird hier auf eine Verfahren polarisiert, dass weder bei uns allgemein angewandt noch gefragt wurde. Derart pauschalisierte Aussagen sind nicht wissenschaftlich und schon gar nicht ethisch vertretbar. Jeder Therapeut und jede Therapeutin kann dem Hilfesuchenden potentiell Schaden zufügen. Die Frage ist, ob dann die Therapieform als ganze oder der Therapeut Schuld hierfür trägt. Da die DGPPN sich offensichtlich noch nicht einmal mit den wissenschaftlichen Arbeiten hierzu befasst hat und alternative Therapiemodelle auch im Studium nicht Gegenstand der Lehre sind, kann sie hierzu auch keine gültige Aussage treffen. Würde man die von ihr getroffenen Aussagen auf alle Formen sexuellen Empfindens übertragen und damit alles mehr oder weniger als „normale“ Formen menschlichen Zusammenlebens hinstellen, würde dies zu absurden und unverantwortlichen Ergebnissen führen.

 

Die Mitarbeiterin der DGPPN (der ich noch nicht einmal böse Absicht unterstellen will!) weist weiterhin darauf hin, dass psychische Erkrankungen unabhängig von der sexuellen Orientierung „anhand der klinisch relevanten Symptome gemäß ICD-10 Kriterien klassifiziert“ werden und dementsprechend von Fachleuten therapiert werden sollen. Dies ist schon aus wissenschaftlicher Sicht ein unsinniges Vorgehen. Hier werden bewusst Faktoren und Ursachen ausgeklammert bzw. voneinander getrennt gesehen, die durchaus etwas miteinander zu tun haben können. Mit anderen Worten: Der Patient bekommt nicht die beste Hilfe, die verfügbar ist, da dies politisch nicht korrekt ist.

 

Womit wir beim Abschluss-Statement der DGPPN-Kollegin sind: "Direkt oder indirekt erfahrene Diskriminierung kann zur Entstehung psychischer Erkrankungen bei homosexuellen Menschen beitragen." Hier trägt die schwule Propaganda reiche Früchte: alles, was nicht politisch korrekt ist, ist „Diskriminierung“. Hier wird in unglaublicher Art und Weise unterstellt, dass Therapeuten, die oben genannten Ratsuchenden Hilfe anbieten, nicht wissenschaftlich arbeiten, sondern „diskriminieren“. So macht man es sich selbst sehr einfach – man muss sich erst gar nicht mit dem Thema in einer objektiven, wissenschaftlichen Herangehensweise befassen, sondern stellt Andersdenkende als Menschen zweifelhaften moralischen Charakters dar. Das ist nichts anderes als unselige Propaganda.

 

Die angestrebte Therapie, so die DGPPN, ziele nicht auf die Homosexualität ab, sondern auf die Konflikte, die in Verbindung mit religiösen, gesellschaftlichen und internalisierten Normen entstehen. Mit anderen Worten: der gute alte Leitsatz „Nicht der Homosexuelle hat ein Problem, sondern die Gesellschaft“. Ziel des Therapeuten sei es, dass sich der/die Homosexuelle wieder gut bei dem fühle, was er/sie tut und gegebenenfalls alle Einstellungen überwindet, die dem entgegen stehen. Das ist keine wissenschaftliche Therapie, das ist ideologisch motivierte politische Korrektheit par excellence. Hier fügt die DGPPN ihrerseits möglicherweise denen Schaden zu, die aus persönlichen, religiösen oder anderweitigen Gründen ein Ausleben ihrer Neigungen nicht für gut heißen können. Anstelle ihnen beizustehen und ihre Ansichten zu respektieren, sorgt die DGPPN noch für Schuld- und Schamgefühle und will ihnen Ansichten aufschwatzen, die nicht die ihren sind. Mit welchem Recht?

 

 

Die Krankenkassen

 

Hier hält man sich mit einer klaren Antwort auf die Anfrage bedeckt. Die AOK etwa geht erst gar nicht auf dieses Thema ein, sondern verweist allgemein auf Informationen zur Psychotherapie. Auch hier wird einem Ratsuchenden offenbar nicht weiter geholfen. Soll man vielleicht erst alle Therapeuten in der Gegend abklappern, um einen zu finden, der bereit ist, einem beizustehen?

 

 

 

Die Kirchen

 

Bei einem Pastor, einem Priester etc. Hilfe zu suchen, ist beinahe ein Glücksspiel. Manch einer wird hier das finden, was er/sie sucht, allerdings ist die Bandbreite der Haltungen, Meinungen, Ansichten und Herangehensweisen hier – selbst innerhalb einer Kirche – enorm. Wenige halten sich an das, was ihre eigene Lehrautorität verkündet. Viele handeln nach eigenem Gutdünken. Wirklich empfehlenswert ist dies für Betroffene nicht. Zu groß ist das Risiko hierbei, an „den Falschen“ zu geraten – mit unkalkulierbaren Konsequenzen.

 

 

Angebote im Bereich Lebensberatung und Seelsorge

 

Hier sieht die Lage etwas besser aus. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind von anerkannten Lehreinrichtungen zertifizierte Lebensberater und Seelsorger in der Regel theoretisch und praktisch sehr gut ausgebildet und erfahren. Natürlich führen diese Einrichtungen keine Therapien durch, eine seelsorgerische Begleitung oder eine Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann hier sehr hilfreich sein. Zu nennen sind hier etwa christliche Einrichtungen wie Wüstenstrom (www.wuestenstrom.de), das Weisse Kreuz (www.weisses-kreuz.de) oder Organisationen wie Jason International (http://jason-online.webs.com), der Partnerorganisation der internationalen, wohl ältesten Organisation auf diesem Gebiet: Homosexuals Anonymous (www.homosexuals-anonymous.com).

 

 

Fazit

 

Der Standpunkt der DGPPN soll hier auf keinen Fall verteufelt werden. Selbstverständlich sind psychische Krankheitsbilder von entsprechenden Psychotherapeuten oder Psychiatern zu behandeln. Betroffene sollten hier keinesfalls zögern, Hilfe zu suchen. Nötigenfalls klärt ein Eingangsgespräch, ob der Therapeut/Arzt bereit ist, die Einstellung des Patienten zu akzeptieren und nicht dagegen zu arbeiten. Gleichwohl werden die meisten Betroffenen alleine dadurch nicht die Hilfe finden, die sie brauchen. Abgesehen davon hat nicht jeder von ihnen eine psychische Erkrankung. Deshalb ist ein TNetzwerk von Freunden, Seelsorgern, Lebensberatern, Therapeuten, Ärzten usw. nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Der DGPPN kann man nur wünschen, dass sie nicht das nachplappert, was andere ihr vorplappern, sondern sich als Teil eines Netzwerkes siieht und dieses – wie auch die Ratsuchenden und deren Überzeugungen selbst – respektiert.